KOXARTHROSE
idiopathische und sekundäre Koxarthrose
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Als Koxarthrose (lat.: Arthrosis co x ae) wird die Arthrose des Hüftgelen ks bezeichnet.

Das Hüftgelen k ist ein sog. Napfgelenk (Articulatio cotylica) für Beuge-, Streck-, Abduktions- (= seitwärts wegführen von der Körperachse), Adduktions- (= an die Körperachse heranführen) und Kreiselbewegungen des Bein es. Die Gelenkkapsel ist durch kräftige Bänder verstärkt (die Ligamenta ilio-, ischio- u. pubofemorale).

In den meisten Fällen beginnt die Koxa rthrose mit einer schmerzhaften Bewegung seinschränkung bei der Innenrotation (= Einwärtsdrehen) des Beines, zunächst auch nur zu Beginn der Bewegung (sog. Anlaufschmerzen). Typisch für Hüfterkrankungen sind auch Leistenschmerzen, die über die innere und vordere Seite des Oberschenkel s bis zum Knie ausstrahlen können. Die Ausbildung von Schmerzen hängt vom Ausmaß der sog. Begleit synovialitis (Begleit-synovitis) (= begleitende En tzündung der Gelenk innenhaut) ab. Im weiteren Verlauf kommt es zu Kontrakturen (= unwillkürliche Dauerverkürzung von Muskeln bzw. Muskel gruppen), Gelenk ergüssen (= krankhafte Flüssigkeitsansammlung im Gelenk) und Kapselverdickungen. Auch ändert sich allmählich das Gangbild, weil der Patient das Gewicht mehr auf die gesunde Seite verlagert, um damit eine Erleichterung der Schmerzen zu erreichen.

Man unterscheidet bei der Koxarthrose zwei Formen:

1.     Idiopathische Koxarthrose. Darunter versteht man eine Eigenerkrankung des Gelenks in Form einer anlagebedingten Minderwertigkeit des Gelenkknorpels ohne Vorerkrankung.

2.     Sekundäre Koxarthrose nach Vorerkrankungen. Typische Vorerkrankungen sind z.B. die rheumatische Arthritis (= Gelenkentzündung), kongenitale Hüftluxationen (= angeborene Hüftgelenkausrenkungen), Schenkelhalsbrüche, idiopathische (= ohne erkennbare Ursache entstandene) Nekrosen (= örtlicher Gewebstod) des Hüftkopfes.

Die Koxa rthrose ist die häufigste Erkrankung des Hü ftgelenks und damit auch die die häufigste Ursache für Schmerzen im Hü ftgelenk.

Die Koxa rthrose ist eine vorwiegend degenerative (= abnutzungsbedingte) Gelenkerkrankung, hauptsächlich des Gelenkknorpels, die (mit großen Schwankungen) erst mit zunehmendem Alter auftritt. Es bestehen chronische, schmerzhafte, zunehmend funktionsbehindernde Gelenkveränderungen (Gelenkverschleiß) infolge eines Mißverhältnisses zwischen Belastung und Belastbarkeit des Gelenkknorpels. 
Die Ausbildung einer Koxa
rthrose und der damit verbundenen Schmerzen kann durch mehrere Faktoren begünstigt werden. So z.B. durch Vorschädigungen infolge eines Unfalls oder auch eigenständige Gelenksentzündungen (Coxitis). Darüber hinaus können auch permanente Fehlbelastungen z.B. bei Fehlstellung der Beine (X- oder O-Bein e) zu einer Koxa rthrose führen. Zur Prävention (= Vorbeugung) sollten deshalb präarthrotische (= einer Arthrose vorausgehende, begünstigende) Deformitäten (= Fehlbildungen) beseitigt werden.

In den letzten Jahren hat die operative Behandlung der schmerzhaften Koxarthrose große Bedeutung erlangt. Folgende Methoden stehen zur Verfügung:

  • Synovektomie: Die operative Entfernung der Innenhaut der Gelenkkapsel, wenn diese sich immer wieder entzündet (Begleitsynovitis) und zu sog. Gelenksergüssen  (= krankhafte Flüssigkeitsansammlung im Gelen k) führt.
  • Umstellungsosteotomie: Die operative Beseitigung von Fehlstellungen zur Wiederherstellung physiologischer (= natürlicher) Achsenverhältnisse am arthrotisch vorgeschädigten Gelen k.
  • Gelenkersatz durch Endoprothesen aus Kunststoff oder Metall.

Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten optimale Voraussetzungen für eine nachfolgende Anschlußheilbehandlung (Anschlußrehabilitation). Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.eu (einfach anklicken).

Nicht wenige Patienten mit Schmerzen aufgrund einer Koxarthrose kommen zum Schmerztherapeut bzw. in Schmerzkliniken, weil sie eine Operation vermeiden bzw. zeitlich hinauszögern wollen oder eine Operation aus anderen gesundheitlichen Gründen risikobehaftet ist. Die moderne Schmerztherapie (multimodale Schmerztherapie) verfügt über hilfreiche Behandlungsmöglichkeiten, die auch bei Koxarthrose z.T. zu erstaunlichen Resultaten führen.

Spezielle Schmerztherapie bei Koxarthrose (idiopathische und sekundäre)

Medikamentöse Schmerztherapie bei Koxa rthrose:  
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerz entstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheumamittel), aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®). Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor (z.B. Vioxx®!).
Auch Lumiracoxib (Prexige®) ist ein sog. COX-2-Hemmer.
Dieses Medikament soll sich in der Synovia
(= schleimhaltige, fadenziehende Gelenk flüssigkeit bzw. Gelen k schmiere) anreichern und deshalb für die Schmerztherapie bei Gelenkverschleiß  besonders geeignet sein.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskel
verspannungen können darüber hinaus auch Muskelrelaxanzien (= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B. Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden. 
Manchmal sind aber die Schmerzzustände bei Koxa
rthrose nur mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N®) (= im Gehirn bzw. Rücken mark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar. 
Grundsätzlich sollte aber eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Schmerzmittelabhängigkeit vermieden werden. 
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, aber auch bei chronischen Schmerzen wirksam) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) zur Schmerzbehandlung:
Bei anhaltenden Schmerzen aufgrund einer Koxa rthrose sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockade n. Dabei wird das schmerzhafte Gelen k wiederholt (stationär bei uns zwei mal täglich) großzügig perikapsulär (= um die Gelenkkapsel herum) infiltriert. Das Gelen k kann auch mit "Zeel" umspritzt werden, was manchen Patienten mit "homöopathischer" Grundeinstellung sehr entgegen kommt. 
Als nächst höhere Therapiestufe sind bei schmerzhafter Koxa
rthrose häufig auch Katheterverfahren sinnvoll. Hierbei wird über einen dünnen Kunststoffschlauch, der in örtlicher Betäubung dicht an schmerzleitende Nerven strukturen gelegt wird, mehrfach täglich ein örtliches Betäubungsmittel eingespritzt. Der Katheter wird nach ca. 14-tägiger, konsequenter Behandlungszeit dann wieder entfernt.
Die das Hüftgelen
k versorgende Ner ven stammen aus dem sog. Pl exus lum balis (= Nervengeflecht der Lende). Dieser Plexus kann über den Nervus femora lis (= vorderer Oberschenkel nerv), der selbst dem Pl exus lum balis entstammt, betäubt werden. Der dünne Kunststoffschlauch (Katheter) wird deshalb etwas unterhalb der Leiste an den vorderen Oberschenkelnerv gelegt, und zwar genau in dessen Ner venscheide (= Gewebsumhüllung der Nervs). Während nun das verdünnte Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) mehrmals täglich in den Katheter eingespritzt wird, wird der Oberschen kel mit einer Manschette unterhalb der Kathetereinstichstelle abgestaut. Auf diese Weise wird das eingespritzte örtliche Betäubungsmittel innerhalb der Ner venscheide nach oben „getrieben“ und betäubt dann zusätzlich den Pl exus lum balis und damit auch das Hüftgelen k. 
Wenn die Koxarthrose beiderseits besteht, wird man eher die epidurale
(= rückenmarknahe) Betäubung mit Katheter durchführen.  

Grundsätzlich wird das Lokalanästhetikum jeweils so verdünnt verabreicht, daß nur die Sensibilität (= u.a. Schmerz empfindung) betroffen ist, die Motorik (= Muskel funktion) aber erhalten bleibt und damit begleitend intensive, gelenkfunktionserhaltende sowie funktionsfördernde krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich sind, bzw. bei stärkeren Schmerz en durch Hemmung der Nozizeption (= Schmerz reizleitung) erst möglich werden.
Nervenblockaden haben darüber hinaus einen sehr günstigen Nebeneffekt. Durch die gleichzeitige Blockade vegetativer Nervenfaseranteile
(= Ner ven des unwillkürlichen Nervensystems) kommt es im korrespondierenden Gewebebereich zu einer sehr deutlichen Mehrdurchblutung, die jedem entzündlich/degenerativen Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist bei Koxarthrose diese Behandlung nicht nur symptomatisc h (= nicht nur auf den Schmerz gerichtet), sondern auch kurativ (= heilend).

Aktuell schreibt die Deutsche Arthrose-Hilfe e.V. dazu:
" Was tun gegen Arthrose in der Hüf te? Schmerzen in der Hüf te können in vielen Fällen auf eine Durchblutungsstörung hinweisen, die sogar zu einem Zusammenbrechen des Hüftkopfs führen kann. Oft entwickelt sich dann eine besonders schwere Ar throse des Hüf tgelenk s."

Physikalische Schmerztherapie: 
Auch eine Elektrostimulation kann bei Koxarthrose eine Linderung der Schmerzen herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig über dem Gelen k aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden. 
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist. Manche Patienten mit einer Koxa
rthrose empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls Schmerzen in den Hüf ten lindern. 
Die Verordnung von Massagen ist auch bei Koxa
rthrose  nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, Gelenkfunktionen zu fördern bzw. zu erhalten.

Andere Maßnahmen zur Schmerztherapie
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur (Schmerzakupunktur) zur Behandlung einer schmerzhaften Koxarthrose nicht unerwähnt bleiben. Auch eine Magnetfeldtherapie (pulsierende Signaltherapie) kann bei Koxarthrose hilfreich sein, gleiches gilt für die Hochtontherapie.
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen der psychologischen Schmerztherapie eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie. Bei chronischen Schmerzen aufgrund einer Koxarthrose ist auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.

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Schultergelenksarthrose
  Unkovertebralarthrose
    Kniegelenksarthrose
      Handgelenksarthrose
        Spondylarthrosen
          Rhizarthrose
(= Daumengelenksarthrose)
            Spunggelenksarthrose

Die invasiven (= in den Körper eindringenden) Therapiemethoden der speziellen Schmerztherapie setzen eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in wenigen therapeutischen Einrichtungen angeboten werden können. Insbesondere sind die kontinuierlichen Blockaden mittels eingepflanztem Katheter in Deutschland nur in ganz wenigen Schmerzzentren (Schmerzkliniken) durchführbar, so z.B. in Bad Mergen theim.

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Aktualisiert: >29.04.2007</> kusB
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